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Hier die lang erwartete Fortsetzung des Berichts. E-Mails an Beamerik@gmx.net |
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Sonnenfinsternis - das Desaster - Fortsetzung 11. August 1999, 12.10, Dieburg, Richtung Süden
Dieburg! Wer hat bloß dieses Dorf hier hingesetzt. Es behindert den Weg in den Kernschatten. Abreißen! Wir stehen an einer Ampel. Riesige Wolkenmassen über der Sonne. Doch da eine kleiner Spalt in der Bevölkung. Die Sonne! Schnell die Brille auf. Ja, Ja, ein Schatten, ein Schatten auf der Sonne! Die Sonne wird vom Mond gefressen. Hans meckert herum, er wolle auch mal was sehen, warum er jetzt ausgerechnet fahren müsse und das man sich im verkackten Dieburg doch alles ansehen könne. Sonnenfinsternis in Dieburg. Dazu noch außerhalb jedwegen Kernschattenschatten? Nein. Nein. Daher Fahrertausch. Der doofe Emil darf wieder fahren. Hat doch selber schuld.
11. August 1999, 12.15, Dieburg, Bahnübergang
Der Kernschatten rast mit 2600 Km/h heran und wir stehen hier in Dieburg vor einer Schranke! Zug verpiss dich. Und Vollgas. Vollgas. Alles voll mit Wolken. Susi will zurück, weil vorhin das Wetter besser war. Hans will sofort anhalten, damit er noch irgendwie mitkriegt, wie in Dieburg die Wolken umherziehen. Und Emil hat noch immer nichts begriffen und will weiterfahren. Der Honk! Hat nicht gerafft, daß es zu spät ist, der Kernschatten sich zu schnell nähert, aus Frankreich heranrast, und an ihnen vorbeitosen, aber nicht über sie hinwegtosen wird. Wie immer setzt sich auch hier blinder Aktionismus durch. Weiterfahren. Weiterfahren. Radio: "Ohh, ganz viele stehen im Stau und schaffen es wohl nicht mehr. Für die spielen wir ein besonderes Lied." Lied: " Wir fahren nach Stuttgart. Da kommt der Große Schatten, la la la la". Radio fliegt aus dem Fenster. Der Sender sollte vom nächsten kosmischen Großereignis möglichst direkt betroffen sein: Dem Einschlag eines Meteors.
11. August 1999, 12.20, südlich von Dieburg
Hans merkt an, er wolle das Jahrhundertereignis nicht im Auto verbringen. Das will keiner. Konsens im Auto. Also irgendwo parken. Irgendeinen Feldweg rein.
11. August 1999, 12.25, kurz vor Hoechst an der sonstwas
Da kann man parken. Da parken auch schon ein paar Leute. Offenbar Wolkenfans. Haben eine Kamera in die fetteste Wolkenformation gerichtet, die man je sah. Leute sehen unser HH-Kennzeichen und lächeln, lachen, krümmen sich am Boden: Sind das drei total bescheuerte Hamburger. Fahren so weit und kommen dann nur bis Hoechst an der sonstwas. Ungefähr 50 Km vom Kernschatten entfernt. Hö, Hö, Hö. Selber doof sind die Hoechster. Sind so nah dran am geheiligten Land des Kernschattens, müssen nur 50 Km fahren und hängen in diesem abgefuckten Kaff rum. Wir können die Hoechster Dorfgurken nicht länger ertragen und gehen einen Feldweg hoch.
11. August 1999, 12.28, Hoechst, neben einer Kuhweide
Es wird dunkler. Es wird tatsächlich dunkler! Die Astronomen haben sich wahrscheinlich verrechnet. Der Kernschatten fliegt wahrscheinlich weiter nördlich direkt über Hoechst. Und da lichtet sich auch kurz die Wolkendecke. Zu sehen ist die fast ganz bedeckte Sonne. Schnell die Brillen auf. Mit Brillen sieht man gar nix. Brillen ab. Darf man ja nicht reigucken. Trotzdem mal kurz schielen. Wolken, alles Wolken. Lauter Wolken. Dunkle Wolken.
11. August 1999, 12.31, Hoechst neben Kuhweide
Die Kühe auf der Kuhweide legen sich schlafen. Ein Vogel am Himmel stürzt plötzlich herab wie ein Stein und fällt in Feld. Es ist Dunkel, bedeutend dunkler als bei einem Gewitter, so dunkél wie in einer Vollmondnacht? Ja, aber in einer sehr hellen Vollmondnacht, sehr hell, mit Hamburger Beleuchtung und direkt unter einer Straßenlaterne. Wir haben die Kernschattenzone verpaßt. 23 Jahre gewartet, 600 Kilometer gefahren, um halb vier Uhr morgens aufgestanden und dann neben einer Kuhweide gestanden, in Wolken gekuckt und ein bißchen Gewitterdunkelheit gesehen. Desaster. Schlimmstes Desaster. Katastrophe. Weltuntergang. Hier in Hoechst findet der Weltuntergang wirlich statt.
11. August 1999, 12.33, Hoechst neben Kuhweide
Susi ruft per Handy ihren Bruder an. Der war schon in der Nacht losgefahren und hatte es bis vor Karlsruhe auf einen Berg geschafft. Hat auch nur Wolken gesehen. Aber dafür war es dunkel, richtig dunkel. Es wird wieder heller, Kühe stehen auf und fangen an zu muhen. Gänse hatten sich in den Stall verzogen und kommen jetzt raus. Emil läßt die Schultern hängen. Zu recht. Dieser Versager. Kann jetzt 81 Jahre warten. Sollte nicht mehr ins Planetarium gehen. Sollte das nächste mal früher losfahren. Seit Gorbatschow und Scheeßel hätte er wissen müßen: "Wer zu spät kommt, den .....". Susi tröstet ihn. Wäre nur gerecht, wenn er ihr zur nächsten Sonnenfinsternis in Madagaskar den Flug bezahlt!
11. August 1999, 12.50, Hoechst neben Kuhweide
Der Himmel wird langsam blau und die Sonne kommt raus. Jetzt! Verarschung! Zu spät! Trotzdem Brillen raus. Ja, der Mond ist immer noch da. Die Sonne ist vom Mond bedeckt und nicht nur von Wolken. Warum reißen die Wolken erst jetzt auf, warum nicht schon eine Stunde früher?
11. August 1999, 12.55, Hoechst vor Kuhweide
Immer noch dieser blöde Schatten vor der Sonne. Aus Langeweile vergleichen wir unsere Brillen. Die eine ist heller, verspiegelt, und macht die Sonnen blau. Die andere ist schwarz und macht die Sonne orange. Wenn die mal sicher sind. Kühe kommen immer näher, wollen uns wohl gleich niedertrampeln. Wir gehen deshalb zum Auto, setzen unsere Finsternisbrillen auf und fahren los .....
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